| Früher war alles ein bißchen
anders, auch Weihnachten. Mehr als 50 Jahre ist es her; damals als wir
unsere Wünsche auf einen Wunschzettel schreiben durften. Im Waisenhaus
in Zürich schrieben viele Kinder jedes Jahr einen Wunschzettel: «An
das Christkind - Himmel». Und wir wußten, daß unser Wunsch
nur dann erfüllt würde, wenn das erhoffte Geschenk nicht mehr
als 10 Schweizer Franken kostete. Was konnten wir nicht alles haben für
10 Franken! In den Katalogen der Spielzeuggeschäfte fanden wir vieles:
"Nur 7,50 Franken - nur 10 Franken" - wir mußten sorgfältig
aussuchen; |
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da gab es so manches das nur 5 Franken
kostete, und das wir eigentlich haben wollten, aber wir wollten die jährliche,
einmalige Chance nicht einfach vertun. Es war nicht leicht, und einmal
war es für mich unmöglich. Ich konnte mich nicht entschließen;
nichts gefiel mir aus dem Katalog, nichts was mit 10 Franken und darunter
angeschrieben war. Und eigentlich wollte ich auch gar kein Spielzeug haben,
ich wünschte mir eine Ente. Ja, eine richtige, lebendige Ente, genau
gesagt, eine weiße Ente. Eine Ente die mir ganz allein gehören
sollte.
Wir hatten im Waisenhaus Hühner, die uns
die Eier lieferten. |
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| Wir hatten auch Enten. Enteneier
soll man nur zum Backen verwenden, sagte unsere Köchin. Wir hatten
Hühner- und Enteneier, die ich jeden Tag einsammeln und in die Küche
bringen mußte. Auch zählen und wiegen der Eier war meine "Aufgabe"
- und jeden Samstag das Hühnerhaus und die zwei Entenhäuschen
säubern - natürlich auch Futter bringen. Es war ein begehrter
"Job" im Waisenhaus, viel besser als Treppen reinigen oder Mühleimer
leeren. Ich war "Herr" über Hühner und Enten - oder doch eher
der "Diener". Der "Herr" war nämlich Fräulein Lehmann, eine ältere
Frau mit |
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